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Die Schweiz - eine Bevölkerung. Kein Volk.

19. Nov. 2014

Seit der Primarschule wissen wir, dass Unmut immer an denen ausgelassen wird, die sich nicht wehren können. Bei Ecopop läuft dies nicht anders: Anstatt dass Fragen zur Infrastruktur und Umwelt gesamtheitlich und gezielt angegangen werden, muss die Zuwanderung als Sündenbock herhalten.

Eigentlich ist es klar: Die Belastung unserer Infrastruktur ist auf unsere starke Wirtschaft und somit auf unseren Wohlstand zurückzuführen. Dieser wird von der ganzen Bevölkerung geschaffen. Somit müsste auch die Belastung der Infrastruktur und der Umwelt, von der ganzen Bevölkerung getragen werden. Stattdessen unterscheiden wir zwischen „Schweizer Wohlstand“ und dem „zugewanderten Dichtestress“ – sprich, dem „Ausländerproblem“.

Ausgrenzung statt mehr Effizienz

Der Ressourcenverbrauch gerate an Grenzen, welche auch eine höhere Effizienz nicht ausgleichen können, argumentieren Befürworter des menschenverachtenden Begriffs „Überbevölkerung“ häufig. Nun müsse man den Faktor Bevölkerung ins Auge fassen.

Vielleicht unterschätzen sie den Faktor Innovation. Vielleicht sind sie aber auch einfach für eine bequeme Lösung anstelle einer menschlichen. Denn wie kann man ernsthaft behaupten, die Effizienz unserer Ressourcen und Infrastrukturen sei ausgereizt, wenn die Züge zweimal am Tag überfüllt und die restliche Zeit fast leer unterwegs sind; Wenn es aufgrund fehlenden Mobility Pricings auf den Autobahnen zu Staus kommt; wenn in den Städten und Agglomerationen noch bedeutendes Verdichtungspotential besteht?  Aber anstatt von der Politik mehr Effizienz im Verkehrswesen und in der Raumplanung zu fordern, lassen sich Medien und Öffentlichkeit lieber von bequemen, unkomplizierten Sündenbock-Kampagnen manipulieren. Und einmal mehr sind wir da, wo wir immer schon waren: Die Ausländer sind schuld. Das ist bequem. Das ist unkompliziert.

Die Schweiz ist mehr als nur ein Volk

Aber in der globalisierten Schweiz des 21. Jahrhunderts müssen wir uns von der Vorstellung lösen, dass die Bevölkerung in zwei vermeintlich homogene Gruppen - Schweizer  und Ausländer - aufgeteilt werden könne. Die politischen Fronten definieren sich  heute in der Schweiz ganz anders als über das veraltete Konzept der Nationalität. Die Schweiz spaltet sich entlang der Unterschiede von Wohlstand, Alter und Zukunftsaussichten, nicht entlang unterschiedlicher Staatsbürgerschaften. Es ist an der Zeit, die Schweiz als mehr als nur ein Volk anzuerkennen, nämlich als eine Bevölkerung. Wir sollten Probleme und Spannungen auch als ganze Bevölkerung angehen, statt gegen einen Teil dieser Bevölkerung vorzugehen. Denn die Schweiz verdankt ihren Reichtum der gesamten Bevölkerung.

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