Internet-Initiative Jetzt!

Das Internet ist keine rechtsfreie Zone. Es wird nur so behandelt.

Es ist inzwischen ein belebter Raum, der nicht mehr wegzudenken ist aus unserer Welt. Nur unsere Gesetze scheinen nicht zu greifen. Die Strafverfolgung ist schwierig, die Dunkelräume gross, die Regulierungen greifen nicht. Wir sind vollkommen abhängig von den Launen weniger Techno-Businesses-Inhaber.

Im digitalen Raum sickern demokratiefeindliche, kriminelle und gefährliche Inhalte in unser aller Leben. Es wird Zeit, diesem Raum dieselben Spielregeln zu unterstellen, die für unsere Gesellschaft auch in der realen Welt gelten.

Grundrechte binden bisher nur den Staat. Über Reichweite und Sichtbarkeit entscheiden aber Konzerne: Was ein Empfehlungsalgorithmus nicht ausspielt, findet öffentlich nicht statt, und wer gelöscht wird, hat keine Instanz, die das überprüft. Beschwerden landen bei Moderationsteams, die nach eigenen Regeln urteilen, nicht nach Schweizer Recht. Diese Lücke zu schliessen, ist keine Abkehr vom Liberalismus, sondern seine Anwendung auf die tatsächlichen Machtverhältnisse: Unsere Freiheit ist bedroht weil private Unternehmen ohne Verfahren entscheiden. Wer hier auf Nichtregulierung beharrt, schützt nicht die Freiheit der Nutzerinnen und Nutzer, sondern die Entscheidungsmacht von Big Tech.

Während die Europäische Union mit dem Digital Services Act bereits strenger gegen die Tech-Oligarchen vorgeht, verhandelt die Schweiz noch darüber, ob sie denn dies überhaupt darf. Der Bundesrat hat mit dem KomPG einen Entwurf vorgelegt — und ihn gleich wieder entschärft. Aus Sorge, im Zollstreit mit den USA zwischen die Fronten zu geraten. Wir haben zu wenig Rückgrat.

Das Ergebnis:
Ein Konzern, der in Brüssel Risikoberichte einreichen und Beschwerdeverfahren betreiben muss, kommt in Bern mit seinen eigenen Regeln durch. Europäische Nutzer:innen bekommen Rechte, Schweizer:innen bekommen Geschäftsbedingungen.

Deshalb: Ja zur Internet-Initiative.

1. Initiativbogen herunterladen und ausdrucken ⬇️🖨️ 
2. Handschriftlich ausfüllen 🖊️ 
3. Zusammenkleben und in den nächsten Briefkasten werfen 📮

Pink

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Kriminalität im Netz ist längst ein eigener Wirtschaftszweig: gefälschte Shops, geklaute Identitäten, Erpressung mit manipulierten Bildern, Anlageplattformen, die genau so lange existieren, bis das Geld überwiesen ist. Die Initiative verpflichtet Anbieter, die Risiken ihrer Dienste zu erkennen und zu begrenzen. Bisher tun sie das nach eigenem Ermessen, also ungefähr dann, wenn der Imageschaden teurer wird als die Prüfung. Dabei sind diese Konzerne bemerkenswert gründlich, sobald ihnen selbst Schaden droht. Eine Urheberrechtsverletzung ist in Minuten vom Netz, ein gefälschter Shop läuft monatelang weiter. Das ist keine Frage des Könnens, sondern der Prioritäten. Ausbaden müssen es die Betroffenen: Die Anzeige verläuft im Sand, die Beschwerde landet in einem Formular, das Ersparte ist fort. Damit ist Schluss. Sorgfalt wird zur Bedingung des Geschäfts, nicht zur freiwilligen Übung.

Desinformation ist längst kein Meinungsproblem mehr, sondern ein sicherheitspolitisches. Ausgetragen wird sie im Informationsraum, und der gehört nicht uns. Wer dort Reichweite kaufen kann, kauft sie — verstärkt wird, was aufregt, und ob es stimmt, spielt für die Kennzahl keine Rolle. Der Initiativtext benennt genau das: Manipulation und algorithmische Verstärkung bedrohen demokratische Entscheidungsprozesse, und dafür sollen die Anbieter geradestehen. Bisher entscheidet ein Konzern nach eigenen Massstäben, was in einem Abstimmungskampf sichtbar wird, und niemand hierzulande kann ihn danach fragen. Von digitaler Souveränität zu reden, bleibt derweil folgenlos: Unabhängige Infrastrukturen entstehen nicht, solange marktbeherrschende Anbieter die Regeln selbst schreiben. Eine Demokratie, die ihre Öffentlichkeit anderen überlässt, verwaltet am Ende nur noch das Ergebnis.

Brutalität hat auf Plattformen einen messbaren Marktwert. Die Initiative verpflichtet Anbieter, die Verbreitung von Inhalten zu unterbinden, die zu Gewalt anstiften oder Gewalt verherrlichen. Sie trifft damit ein Feld, auf dem sich die Konzerne bisher am elegantesten aus der Verantwortung ziehen. Ihr Argument lautet, sie hätten die Inhalte ja nicht erstellt. Nur erstellt auch niemand die Reichweite: Sie kommt von Algorithmen, die darauf getrimmt sind, uns möglichst lange am Bildschirm zu halten — und was empört, funktioniert dabei am besten. Die Initiative verlangt deshalb nichts Aussergewöhnliches: Ein Konzern, der einen Verstärker betreibt, soll auch für dessen Wirkung geradestehen.

Radikalisierung ist kein Ereignis, sondern ein Verlauf. Sie beginnt mit Inhalten, die für sich genommen legal sind, und endet an einem Punkt, an dem Gewalt als naheliegend erscheint. Was dazwischen liegt, ist kein Zufall, sondern Vorschlag um Vorschlag.

Offline ist die Sache längst geklärt: Wer zu Gewalt aufruft, macht sich strafbar, ohne dass je eine demokratische Debatte daran zerbrochen wäre. Online gilt dies leider meist nur auf dem Papier. Ob ein Gewaltaufruf verschwindet, entscheidet kein Gericht, sondern eine Hausordnung aus Kalifornien.

Die Initiative beendet diesen Sonderstatus. Zur Debatte steht nicht, was Menschen sagen dürfen, sondern was ein Konzern millionenfach nach oben spült und dann für fremde Angelegenheit erklärt.

Missbrauchsdarstellungen sind kein Grenzfall. Sie sind Beweismittel einer Straftat, und jede Weiterverbreitung wiederholt sie. Trotzdem zirkuliert dieses Material über dieselben Dienste, die uns erzählen, sie könnten unmöglich wissen, was auf ihnen passiert.

Das stimmt nicht. Für bekanntes Material gibt es seit über einem Jahrzehnt funktionierende Erkennungsverfahren, eingesetzt dort, wo Inhalte ohnehin öffentlich sind. Nicht die Technik fehlt, sondern die Pflicht: Wer eine Plattform betreibt, muss sie auch aufräumen — und nicht erst, wenn ein Medienbericht droht.

Genau das verlangt die Initiative. Wer daraus die Durchleuchtung privater Chats ableiten will, verwechselt zweierlei: Öffentliches sichten heisst nicht, Privates öffnen. Wer Kinder schützen will, muss nicht alle überwachen. Er muss dort ansetzen, wo das Material liegt: bei den Betreibern.

Wer intime Aufnahmen ohne Einwilligung verbreitet, richtet Schaden an, der sich nicht zurücknehmen lässt. Das gilt für heimlich gefilmte Videos, für Bilder aus einer früheren Beziehung, und seit einigen Jahren für Material, das nie existiert hat: Deepfakes brauchen heute ein Porträtfoto und eine App.

Betroffene erleben danach meist dasselbe. Die Löschung dauert Wochen, während die Datei längst weiterwandert. Der Fall geht an ein Team im Ausland, das nach eigenen Kriterien urteilt. Und wer als Erwachsene betroffen ist, hat es besonders schwer, weil die Dringlichkeit erst dann anerkannt wird, wenn Minderjährige im Spiel sind.

Die Initiative verpflichtet Anbieter, die Verbreitung solcher Inhalte zu verhindern. Das ist keine Frage des Anstands, sondern der Zuständigkeit: Bisher tragen jene das Risiko, denen etwas angetan wurde. Künftig sollen es jene tragen, auf deren Diensten es geschieht.

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