Die nächste Mimimi-Initiative der SVP kommt angerollt
Visuelle Interpretation: Bio Rasel
Deklaration: Dieser Text kommt aus der Abteilung für schlechte Aussichten der Operation Libero (Satire). Für mehr Informationen abonniere den Newsletter, bleib dran, bleib drin, bleib offen.
Die Auswirkungen der «Nachhaltigkeitsinitiative» auf den Kunst- und Kultur-Sektor. Adé Merci.
Kommt die «Nachhaltigkeitsinitiative» oder auch bekannt als «10Mio-Schweiz-Initiative» der SVP, über welche das Schweizer Volk am 14. Juni abstimmt, durch, würden viele von uns den Job verlieren und mittelfristig noch ganz viel mehr von dem Luxus und den Privilegien, die wir hier geniessen. Sie ist einmal mehr ein Etikettenschwindel erster Klasse dieser Brigade des Grauens.
Was die SVP nicht mitteilt, ist…
…dass bei Annahme dieser Initiative die Bilateralen mit Europa riskiert würden. Also Schotten dicht. Nicht nur für Personen, sondern auch für alles andere. Finito la Musica. Ja, deine Musica auch.
Warum? Weil diese Initiative an diversen politischen Grundpfeilern unserer Einbettung in Europa rüttelt. Ich brech’ den politischen Elfenbeinturm mal runter für dich. Das Folgende ist eine nicht abschliessende Zusammenfassung potentieller Ausgänge für unseren Sektor Herzblut (Kunst, Kultur, Event, Gastro +) bei einer Annahme dieser Initiative.
Der Zerfall des Sektor Herzblut
Es reicht, sich einen einzigen Aspekt der Initiative anzuschauen, um festzustellen, dass die Annahme dieser nächsten SVP-Initiative, neben vielen anderen auch, den Zusammenbruch für unseren Sektor bedeutet.
Sie würde herbeirufen, dass das Paket Personenfreizügigkeit (PFZ) der Bilateralen I mit der EU gekündigt werden müsste. Die Folgen davon für unsere Branche kannst du dir vielleicht schon denken. Ich mache hier trotzdem ein paar Beispiele, um auf die Sprünge zu helfen.
Booking & Artists
Du bist DJ und reist gerne unbeschwert in Europa herum für deine Gigs? Kannst du knicken! Und auch alle anderen Kunstformen. Du kannst die Schweiz weder gemütlich verlassen, noch können andere Artists entspannt rein. Für Booker*innen von Clubs & Festivals heisst das enorme Aufwände für das Booking von internationalen Kulturprogrammen. Visumpflicht für jede*n Artist, der*die über die Grenzen in die Schweiz kommen soll. Für Schweizer Artists heisst es ebenso lange Planungs-, Wartefristen und Aufwände, um Visen für Gigs im Ausland zu erhalten sowie längere Reisezeiten, da Grenzkontrollen wieder stattfinden werden für EU/EFTA-Bürger*innen und umgekehrt.
Personal
Hast du Personen aus EU/EFTA-Ländern eingestellt bei dir? Bist du allenfalls selbst aus dem Raum und in der Schweiz tätig? Das wäre vorbei. Ähnlich wie beim Brexit müssten Arbeiter*innen, die aktuell unter dem PFZ in der Schweiz leben und arbeiten, potentiell heimkehren und in Zukunft nur noch mit einem entsprechenden Visum wiederkommen, sofern es dann noch Platz hat.
Der Rattenschwanz
Hier könnten wir natürlich sagen, ja gut - dann ist das halt so, dafür haben wir mehr Platz im Tram. Leider aber folgt auf eine potentielle Kündigung der Personenfreizügigkeit ein Rattenschwanz an negativen Ereignissen in der Zusammenarbeit mit Europa.
Die besagte Initiative greift also einen wesentlichen Bestandteil unserer bilateralen Verträge mit Europa an. Ohne diesen Bestandteil in der Verhandlungsmasse sind wir (Die Schweiz) für Europa nicht mehr so spannend und die gesamte Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern steht auf dünnem Eis. Die Chance eines kompletten – let’s call it Swexit, also einer Kündigung aller Vertragspakete, ist gross. Und das ist das liebe Ziel dieser Initiative. Die Destabilisierung unserer Handelsverträge mit unseren Nachbarländern.
Der Etikettenschwindel also. Ganz entgegen den Behauptungen der SVP, es ginge hier um die Schweizer Natur oder die Wohnungsnot in Zürich. Denn wenn wir genau hinschauen, kümmert sich die Partei auch sonst weder um die Klimaziele noch um bezahlbaren Wohnraum oder nachhaltiges Bauen. Warum also hier so plötzlich und seltsam? Nachhaltig sichergestellt wäre nur eines an dieser Initiative – die Abschottung.
Nun ein paar Beispiele, die mit der Kündigung der bilateralen Verträge einhergehen würden für unseren Sektor Herzblut.
Technik & Bühnenbau
Mietest du Technik und Bühnenbau für dein Festival, deinen Venue aus dem Ausland an? Waren über die Grenzen und zurückzubringen wird umständlich, ist mit mehr Administration verbunden und wird damit teurer ohne die bilateralen Verträge mit der EU. Dasselbe gilt für den Kauf von Equipment im Ausland. Seien es Instrumente, Soundanlagen, Lichtanlagen. Das muss ich dir nicht erklären. Du bist vom Fach.
F&B und Spassigkeiten
Kaufst du deine Spezialangebote im Ausland ein? Dein Lieblings-Import von Champagner bis Bier über die Rauchnüsse? …Securities, Elfenzirkus-Dekoration, Fyre-Glamping, Absperrgitter, Öko-Glitzer und Federboa am Burning-Irgendwas, Plateauschuhe, Schlaghosen und Converse, Spargel und Zartbitter, … wir verstehen uns, oder? Das Glas ist halb leer und kostet doppelt so viel, wenn es dann überhaupt noch bei dir ankommt.
Das waren nur ein paar Szenarien die eintreten werden, wenn dieser SVP-Schwindel von Nachhaltigkeit durchkommen sollte. Das Schauspiel kannst du weiterhin auf Theater, Tanz, Film, Literatur, bildnerische Kunst und vieles mehr anwenden. Lass dich nicht für dumm verkaufen. Die Brigade des Grauens will nichts Gutes für dich.
Und wenn du einfach gerne feierst: Basel - Berghain retour? Not.
Türsteher Sven steht neu an der Grenze und heisst Mäsi : “En echte Schwizer got no nöd use, chasch mitm Nici und mir go jasse im Stall, de Stöffel und de Rösche sind au döt. D' Hellebarde hemer au und d’Alice chunt nachher cho üsi Würschtli brötle…”
Geil oder? Sven hilf uns!! Ich werde wohl Asyl im Berghain beantragen. Spass beiseite.
Darum: Nein zur «Nachhaltigkeitsinitiative» der SVP am 14. Juni.
Wir zählen auf dich.
Im Spagat zwischen Politik und Kultur, für die Progression
Marielène
PS: Progressiver Techno gefällig? KAØ drückt aufs Pedal.
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Zur Autorin:
Marielène ist aus dem Sektor Herzblut von Booking Agentin zur Festivalgründerin zur Kunst-Buchredaktorin über Musikverlegerin und Artistmanagerin in der Filmbranche gelandet und hat dann im letzten April die Co-GF der Operation Libero übernommen. Sie wünscht sich mehr Kunst und Kultur in der Politik und versucht, die beiden Räume einander etwas näherzubringen.
Operation Quiz
Wer profitiert von dieser Initiative und warum? Wir verlosen 3 Europa-Pullis aus unserem Shop im Wert von je CHF 100.00 für die drei ersten Personen mit den "richtigen" Antworten. Schreibe mir auf [email protected]