Faktencheck zur «Nachhaltigkeitsinitiative»

Die SVP-Zeitung im Faktencheck

Gegen Desinformation im Abstimmungskampf

Die SVP-Zeitung, die viele von uns letzte Woche im Briefkasten erhalten mussten, ist gespickt mit Untergangsszenarien, Desinformation, Fremdenfeindlichkeit und klassischer Problembewirtschaftung. Wir haben die SVP-Aussagen aus der Abstimmungszeitung einem Faktencheck unterzogen. Resultat: Die SVP spielt das immer gleiche Blame Game. Die schwerwiegenden Konsequenzen eines Jas verschweigt sie. 

Falsch. Die tatsächliche Aussage des Bundesamts für Umwelt bezieht sich lediglich auf den Verlust landwirtschaftlicher Nutzfläche im Zeitraum zwischen 1985 und 2018. Dass diese Fläche aber zubetoniert wird, stimmt nicht. Nur gut die Hälfte dieser Fläche wird “zubetoniert”, der Rest wird für Parks, Fussballfelder etc. gebraucht. Brandneue Resultate für die Kantone Aargau, Luzern und Jura zeigen, dass sich die Zunahme der Bodenversiegelung zuletzt stark verlangsamt hat, im Kanton Jura gar um über 50 Prozent. Die bessere Raumplanung trägt Früchte.

Aktuell gehören rund 8% der Fläche der Schweiz zu den Siedlungsflächen. Der Anteil der versiegelten Flächen beträgt laut Arealstatistik derzeit 5,1% der gesamten Landesfläche, was einer Fläche von 2102 km² entspricht – also etwa der Grösse des Kantons St. Gallen. Dramatisch ist die Lage übrigens bei den Schweizer Gletschern, dort nimmt die Fläche rasend schnell ab aufgrund des Klimawandels.

Nicht ganz richtig

Schon der Titel dieser Initiative ist absichtlich irreführend: «Nachhaltigkeitsinitiative». Das kommt ausgerechnet von der Klimasünder-Lobby-Partei, die gegen die Energiewende und die Erneuerbaren, das Gebäudeprogramm, Wärmepumpen, die E-Mobilität und den Zugverkehr politisiert. Echte Lösungen für den Schutz unserer Natur werden von Rösti und Co. leider seit jeher bekämpft. Klimawandel ist eine Realität und erfordert Handlung. Wenn wir zulassen, dass die SVP Nachhaltigkeit für fremdenfeindliche Zwecke missbraucht, verlieren wir kostbare Zeit und gefährden die Zukunft der nächsten Generationen.

Falsch. In keinem einzigen Jahr lag die Nettozuwanderung über 100’000. Die Nettozuwanderung 2024 und 2025 war rückläufig. 2025 lag die Nettozuwanderung bei knapp 75’000. 

Wanderungssaldo 2019-2025

Falscher, populistischer Schwachsinn. Im Jahr 2025 stammten 73,1% der neu Zugewanderten aus dem EU/EFTA-Raum. Italiener*innen sind mit 350 958 Personen die grösste ausländische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz, gefolgt von deutschen (338 584), portugiesischen (264 341) und französischen (181 501) Staatsangehörigen. Die folgende Grafik zeigt, dass satte 83% der Ausländer*innen der ständigen Wohnbevölkerung Ende 2025 aus Europa stammten. Nichts da von wegen fremde Kulturen, und erst recht nicht islamisch. Aber für die SVP ist eh alles fremd, was kein Edelweisshemd trägt und jodelt. Früher waren es die Süditaliener.

Wohnbevölkerung nach Herkunftsregion

Falsch. Eine Zusammenstellung der Industrie- und Handelskammer St. Gallen Appenzell zeigt auf, dass Zugewanderte die AHV stärker stützen, als sie sie belasten – sie zahlen 40% der Beiträge, beziehen aber weniger als 30% der Leistungen. Die IHV kommt zum Schluss: “Migranten leisten einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung der AHV.” Sprich: Die AHV wäre ohne Zugewanderte in einer viel schlechteren Lage.

Nun zur Sozialhilfe: Die SVP suggeriert, dass viele Ausländer*innen hierherkommen, um vom Staat zu leben. Das ist absolut falsch. Die Sozialhilfequote der wirtschaftlichen Sozialhilfe erreichte in den Jahren 2022, 2023 und 2024 den tiefsten Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2005. Die SVP versucht, unser Land schlechtzureden, lassen wir das nicht zu.

Sozialhilfequote

Leider alltäglich geworden ist, dass die SVP jede Straftat eines Asylbewerbers auf den Sozialen Medien mit der Aufschrift Neue Normalität publiziert. Sie will in der Bevölkerung ein Gefühl der Unsicherheit verbreiten, auch wenn die Zahlen es nicht hergeben. Fakt ist: Die Schweiz wird nicht unsicherer. Mehr dazu weiter unten beim Abschnitt Kriminalität.

Ein gutes Beispiel, wie faktenfrei die SVP agiert, ist die Aussage zu den Anzahl Einbrüchen: Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 34’755 Einbruchdiebstähle, was weit weit unter dem Peak des Jahres 2012 mit 61’128 Einbrüchen liegt. Einbrüche sind also derzeit viel weniger Alltag als vor 14 Jahren, obwohl in der Schweiz mehr Menschen leben und es mehr Häuser gibt, in die potentiell eingebrochen werden könnte.

Entwicklung Diebstahlformen

Absolut gefährlich. Ein Ja zu dieser Initiative setzt kein Zeichen. Sondern hat weitreichende Konsequenzen: Kündigung der Personenfreizügigkeit und damit auch der Bilateralen I und II, Abbruch der Bilateralen III, Kündigung der Genfer Flüchtlingskonvention, der Europäischen Menschenrechtskonvention und auch der UNO-Kinderrechtskonvention. Wollen wir das? Absolut nicht.

 

Lesen Sie NICHT in dieser Zeitung, dass:

  1. dies die 10. Überfremdungsinitiative seit 1970 ist. Echte und erfundene Herausforderungen werden seither für Aufmerksamkeit instrumentalisiert und die Ausländer*innen als Schuldige serviert. Um echte Lösungen geht es nie.
  2. wer sich dank eines Jas auf Mietreduktionen freut und einen schnellen Heimweg nach Feierabend erwartet, enttäuscht werden wird. Im Initiativtext steht dazu nichts. Die Initiative löst kein einziges Problem, kreiert aber ganz viele neue. Nur so nebenbei reicht die SVP Vorstoss um Vorstoss ein, um den Mieterschutz aufzuweichen, damit Vermieter mehr Rendite machen können und stellt sich immer wieder quer, wenn es darum geht, den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen und damit die Strassen zu entlasten - an Scheinheiligkeit ist das kaum zu überbieten.
  3. ein Ja einen wahren Domino-Effekt auslöst: Mit der Kündigung der Personenfreizügigkeit fallen die anderen Verträge der Bilateralen I und II automatisch weg, aber auch die gerade verhandelten Bilateralen III. Der Wirtschaftsstandort würde massiv an Attraktivität verlieren, Reisen würde komplizierter, der Fachkräftemangel verschärft und und und.
  4. Zuwanderung eine Stärke der Schweiz ist und dass wir in vielerlei Hinsicht auf Ausländer*innen angewiesen sind.

Uns geht’s verdammt gut, auch oder vor allem dank der Migration. Die Schweiz liegt in diversen Studien und Rankings zur Lebensqualität immer in den Top-Rängen, manche führen wir auch an. Es gibt null Anzeichen, dass sich dies am Ändern ist.

Lebensqualität Länder

Tatsächlich sind die Lebenskosten in den letzten Jahren gestiegen. Doch ist daran die Zuwanderung hauptverantwortlich, wie es die SVP suggeriert? Nein, mitnichten. Die Herausforderungen der Schweiz sind komplex, es gibt keinen All-in-One-Quick-Fix.

Die SVP banalisiert echte Probleme und erklärt stattdessen Ausländer*innen zu den Schuldigen für alles. Das ist viel einfacher. Und eben Populismus in Reinform.

Zu den steigenden Krankenkassen-Prämien: Im Wahlkampf 2023 hat die SVP ohne Belege behauptet, die Zuwanderung wäre für die stark steigenden Krankenkassenkosten verantwortlich. Das ist haltlos. Eine Studie des Bundes zeigt nun sogar, dass Ausländer*innen im Gesundheitsbereich 28 Prozent weniger Kosten pro Person verursachen und so den Kostenanstieg dämpfen. Zu den Mieten mehr weiter unten.

Grunz. 🐷 Die Schweine danken, Marcel.

 

Spass beiseite: Um dem Klimawandel effektiver zu begegnen und auch Biodiversitätsflächen zu schützen, muss der Fleischkonsum sinken. Daher wäre es sinnvoll, wenn öffentliche Kantinen mehr vegetarische und vegane Gerichte servieren würden. Also schon ein erster Anfang, auf Schweinefleisch zu verzichten… Da geht noch mehr.

Dancing Pig

Mal schauen, wer denn in der Bildung sparen will? Oh, es ist die SVP. Problembewirtschaftung at its best.

Bei der Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund ist der Prozentsatz mit einem Bildungsniveau auf Tertiärstufe höher als bei der Wohnbevölkerung ohne Migrationshintergrund. Eine grössere Auswirkung auf die Bildungsqualität hat der Lehrermangel, auch wenn sich dieser ein wenig entspannt hat. Es wird aber weiterhin auf nicht genügend qualifiziertes Lehrpersonal zurückgegriffen, da Fachkräfte weiterhin fehlen und der Lehrerberuf nicht ausreichend attraktiv ist.

Chabis. Die Uhrenindustrie, der Gotthardtunnel und sogar Roger Federer gäbe es nicht, wenn Menschen nicht ihr Heimatland verlassen hätten, um hier zu leben und zu arbeiten. Sie sind hier, weil unser Land auf mehr Talent, Erfahrung und Handwerk angewiesen ist, als es selbst hervorbringt.

 

Migration war und ist für die Schweiz systemrelevant, in allen Branchen von Pflege und Handwerk über das Finanzwesen bis zur Forschung. Seit Jahrhunderten profitiert die Schweizer Wirtschaft von zugewanderten Arbeitskräften, von ihrer Kreativität, ihrer Disziplin und ihrer Ausbildung. Die Schweiz kennt vorwiegend eine arbeitsmarktorientierte Zuwanderung. Die Erwerbsquote ist hoch, grosse Reserven an Arbeitskräften gibt es nicht. Das ist Normalzustand.

 

Auch von der Personenfreizügigkeit und den Bilateralen profitieren wir alle: Die Personenfreizügigkeit hat uns nicht nur Wohlstand, Innovation und Lebensqualität gebracht, sondern auch die Freiheit, in Europa reisen, leben, lieben, studieren und arbeiten zu können. Und sie wird angesichts der Überalterung und des Arbeitskräftemangels noch an Bedeutung gewinnen.

 

Die Konjunkturforschungsinstitute BAK und Ecoplan weisen darauf hin, dass das Schweizer BIP 2035 7,1% resp. 4,9% tiefer liegen würde, wenn es die Bilateralen nicht gäbe. Die Schweizer Bevölkerung weiss das und hat den bilateralen Weg immer wieder an der Urne bestätigt.

Irreführend. Die Polizei hat 2025 tatsächlich doppelt so viele Vergewaltigungen registriert wie 2020 (von 713 auf 1402). Was Dettling und die SVP verschweigen, in der Kriminalstatistik 2025 aber klar gemacht wird: «Der Tatbestand der Vergewaltigung wurde im Rahmen des am 1. Juli 2024 in Kraft getretenen neuen Sexualstrafrecht angepasst. Ein Vergleich der Zahlen mit früheren Jahren ist daher nur eingeschränkt möglich.» 

 

Gemäss neuem Sexualstrafrecht (Nein heisst Nein) reicht es, dass ein Opfer sich verbal oder körperlich gegen Geschlechtsverkehr wehrt oder in eine Schockstarre (sog. Freezing) verfällt, um vor Gericht eine Vergewaltigung geltend zu machen. Neu können nicht mehr nur Frauen eine Vergewaltigung anzeigen und es fallen neu alle Arten der Penetration (oral, anal, vaginal) unter den Tatbestand der Vergewaltigung. Es ist daher nur logisch, dass 2024 und 2025 mehr Vergewaltigungen registriert wurden. Das hat rein gar nichts mit Ausländerkriminalität zu tun.

 

Zur leichten Steigerung in  der Zeit vor 2024: Die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen ist hoch. GFS Bern schrieb in einer Studie 2019, dass nur 8 Prozent aller sexueller Übergriffe zur Anzeige gebracht werden. Andrea Jug-Höhener, Chefin der Kriminalpolizei Stadt Zürich, sagte Tsüri vor kurzem, dass der Anstieg registrierter Vergewaltigungen eigentlich eine gute Sache sei: «Die Fälle von Vergewaltigung nehmen zwar zu, der bessere strafrechtliche Schutz der Opfer ist aber ein Fortschritt.» Je besser die Gesetze und je besser der polizeiliche und justizielle Schutz der Opfer, desto mehr Taten sexueller Gewalt werden auch angezeigt.

Vergewaltigungsstatistik

Falsch. Der Anteil Menschen muslimischen Glaubens ist seit 2000 von 3,6 auf 6 Prozent gestiegen. Das ist ganz weit weg von “macht sich breit”. Die SVP spielt hier gezielt mit rassistischen Sentiments.

Religionslandschaft CH

In einer liberalen Demokratie soll jede Person sich so kleiden dürfen, wie sie will.

Gemäss Bund gehört zu einer erfolgreichen Integration sowohl ein Einsatz der neu zuziehenden ausländischen Wohnbevölkerung, aber auch der bereits ansässigen Wohnbevölkerung erforderlich, d.h. es braucht Offenheit von beiden Seiten, sowie einen Abbau von Diskrimierung für eine erfolgreiche Integration. Gerade die SVP erschwert mit ihren Schuldzuweisungen und Hetze die Integration. Es ist daher sehr scheinheilig, eine fehlende Integration zu beklagen, wenn alles dafür getan wird, diese zu erschweren. Schlussendlich sind aber viele Zuwander*innen trotzdem perfekt in der Schweiz integriert, Ignazio Cassis hat italienische Wurzeln und ist nun sogar Bundesrat.

Die Arbeitslosenquote in der Schweiz schwankt mit der Konjunktur und wirtschaftlichen Aussichten und wird sehr stark auch von weltweiten Krisen getrieben (Finanzkrise, Pandemie, fossile Energiekrise…). Nach einem Tief bei der Arbeitslosenquote 2022/2023 ist die Quote wieder leicht angestiegen

Arbeitslosenquote seit 2004

Da die wirtschaftlichen Aussichten in der Schweiz aufgrund der hohen Abhängigkeit von fossilen Brenn- und Treibstoffen nicht unbedingt fabelhaft sind, könnte die Arbeitslosigkeit noch etwas steigen bis zur nächsten weltweiten Erholung. Bei einer Erholung sinkt die Arbeitslosenquote aber jeweils schnell und Arbeitskräfte werden zeitnah benötigt, um von der Erholung auch profitieren zu können. Daher ist das Aufrechterhalten eines leichten Arbeitskräfteüberschusses in einer Krise eine weise Voraussicht für die Zukunft. Da die Zuwanderung in der Schweiz sehr stark vom Arbeitsmarkt getrieben ist, sinkt die Zuwanderung jeweils bis zur nächsten Erholung.

Diese Initiative ist die scheinheiligste Initiative aller Zeiten. Sie löst kein einziges Problem in den genannten Bereichen, sondern kreiert nur neue. “Take back control”, das versprachen auch die Brexit-Befürworter*innen im Vereinigten Königreich. Seit dem Fall der Personenfreizügigkeit ist die Zuwanderung gestiegen, nicht gesunken. Statt aus der EU gab es mehr Einwanderung von ausserhalb der EU, das hat die sinkende Zuwanderung aus der EU deutlich überstiegen.

Es wird keine Neuverhandlung der Personenfreizügigkeit geben. Es ist In or Out. Das heisst, die Schweiz wird sie kündigen müssen, was auch die Bilateralen I, II und III beendet. Mit weitreichenden Konsequenzen.

Falsch. Die landwirtschaftliche Nutzfläche hat seit 1985 nur leicht abgenommen, von 1’068’893 ha auf 1’040’389 ha. Dies ist weder beunruhigend noch dramatisch.

Das Führen von landwirtschaftlichen Betrieben ist keine einfache Aufgabe und auch nicht besonders lukrativ. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Betriebe aufgeben. Die Flächen werden dann aber vor allem durch andere, grössere Betriebe weiter genutzt. 

Falsch. Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz ist seit 2008 nur leicht gesunken, trotz Zuwanderung. Er nimmt nicht dramatisch ab. Mal wieder Untergangsstimmung bei der SVP.

Selbstversorgungsgrad

Durch die Klimakrise steht die landwirtschaftliche Produktion immer weiter unter Druck. Durch den hohen Fleischkonsum in der Schweiz wird auch sehr viel Fläche benötigt für die Nahrungsmittelproduktion. Eine vorwiegend vegane oder vegetarische Kost würde die Ernährungssicherheit massiv verbessern, da diese bedeutend weniger Fläche benötigt. Aber die SVP ist dafür, den Fleischkonsum weiter massiv zu subventionieren und dadurch die Klimakrise zusätzlich anzuheizen und die Ernährungssicherheit weiter zu gefährden.

Der Schweizer Bauernverband unterstützt die Initiative nicht. Viele Bauernbetriebe fürchten die fehlenden Arbeitskräfte und machen sich massiv Sorgen um ihre zukünftige Existenz. Ohne ausreichende Arbeitskräfte können die Betriebe nicht überleben.

Am schärfsten schiesst die SVP gegen Geflüchtete. Asylsuchende machen rund 2,5% der Schweizer Bevölkerung aus und haben damit keinen relevanten Einfluss auf zentrale Herausforderungen wie Wachstum, Infrastruktur oder Wohnraum.

Die konkreten Folgen eines Ja wären hingegen: die Kündigung der Genfer Flüchtlingskonvention, der Europäischen Menschenrechtskonvention und auch der UNO-Kinderrechtskonvention. Ganz einfach gesagt: Adieu, Menschenrechte. Nicht nur die von Geflüchteten, sondern aller Menschen in der Schweiz, denn die Europäische Menschenrechtskonvention sorgt für den Schutz aller grundlegenden Menschenrechte in ganz Europa und in der Schweiz.

Diese Initiative wäre das Ende des Rechts auf Asyl. 150 Jahre nachdem das Rote Kreuz und das humanitäre Völkerrecht entstanden, würde die Schweiz ihre humanitäre Tradition zu Grabe tragen. Die sonst so patriotische SVP bricht damit genau eine der urschweizerischen Traditionen, die sie sonst zu verteidigen vorgibt. Dabei steht sogar in der Präambel unserer Bundesverfassung, dass sich die Stärke des Volkes misst am Wohl der Schwachen. Wir empfehlen’s zur Lektüre, Marcel. 

Und noch zu den Asylzahlen: Diese waren 2025 zum zweiten Mal hintereinander rückläufig. Es gab rund 25 781 Asylgesuche, das mit Abstand wichtigste Herkunftsland war erneut Afghanistan (Taliban - rings a bell?). 7382 Personen erhielten 2025 Asyl, die Asylgewährungsquote lag damit bei 27,1 %, die Zahl liegt also unter der von der SVP genannten “Zehntausenden”. Es wurden zudem 5005 vorläufige Aufnahmen verfügt und 5842 vorläufige Aufnahmen beendet. 

Asylgesuche 2015 - 2025

Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz mit diesen Asylzahlen im unteren Bereich. Trotzdem versucht die SVP uns in ein “Asyl-Chaos” zu reden.

Asylgesuchszahlen Europa

Die pauschale Aussage, dass Asylsuchende bleiben, auch wenn ihr Gesuch abgelehnt wird, stimmt ebenfalls nicht: Im Jahr 2025 sind 7094 Personen selbstständig und kontrolliert aus der Schweiz ausgereist, 2400 Personen wurden entweder in ihren Heimatstaat oder einen Drittstaat zurückgeführt. Bei 10 577 Personen wurde eine unkontrollierte Abreise registriert.

Es ist die SVP, die zusammen mit anderen Parteien den Menschen im Asylprozess die Arbeit in der Schweiz verwehren will. Sie kritisiert, was sie selbst verunmöglicht. Sie bewirtschaftet ein Problem, das sie selber schafft. Typisch SVP.

Dass die Hälfte der Menschen mit Flüchtlingsstatus arbeitet, stimmt übrigens. Der Trend zeigt klar nach oben. Zum Vergleich: Die Erwerbsquote der Gesamtbevölkerung lag 2024 bei 67,5%.

Falsch. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Straftaten im Jahr 2025 um 1,5% gesunken. Betrachten wir die Zahlen seit 2009 (seit dann werden die Zahlen gleich registriert), zeigt sich, dass die Straftaten gemäss Strafgesetzbuch (StGB) zwar nach 2021 angestiegen sind, die absoluten Zahlen aber immer noch tiefer liegen als in den Jahren zwischen 2009 und 2013 – trotz Bevölkerungswachstum. In der längerfristigen Betrachtung wird die Schweiz NICHT immer unsicherer. 

Straftatenentwicklung

Nehmen wir mal an, dass die SVP mit “unsicherer” die Entwicklung der Gewaltstraftaten anspricht. Diese steigt seit 2021 ganz leicht an, und liegt derzeit auf dem Stand von 2009, obwohl die Bevölkerung in der Zwischenzeit gewachsen ist. Der Anstieg der letzten beiden Jahre lässt sich zu einem Grossteil darauf zurückführen, dass das Sexualstrafrecht in Sachen Vergewaltigungen und des neuen Tatbestands «Unbefugtes Weiterleiten von nicht öffentlichen sexuellen Inhalten» angepasst wurde.

Gewaltstraftatenentwicklung

Fazit: Die SVP übertreibt masslos. 

Random. Was man genauso gut schreiben könnte: Die Kriminalstatistik zeigt: Die Schweiz war in den letzten drei Jahren etwa so kriminell wie im Zeitraum zwischen 2009 und 2014. Dazwischen gab es eine Zeit mit tieferer Anzahl Straftaten. Und das, obwohl die Bevölkerungszahl in dieser Zeit um über 1 Million zugenommen hat. Die Kriminalität pro Bewohner*in ist heute wesentlich tiefer als 2009.

Falsch. Die Asylbevölkerung machte 2025 5,8% der beschuldigten Personen aus, was einem Rückgang von 0,9% entspricht. Daneben erfasst die Kriminalstatistik die Gruppe übrige Ausländerinnen und Ausländer, die 2025 für 19,8% der Straftaten verantwortlich war. Doch diese Gruppe zählt nicht nur “Illegale”, wie es die SVP im besagten Satz schreibt, sondern beispielsweise auch das organisierte Verbrechen aus dem Ausland. Justizvollzugsexperte Benjamin Brägger beschrieb dies in 20Minuten so: «Einbruchswelle durch Banden aus Osteuropa, Bankomatensprengungen, Überfälle auf Geldtransporte, Autodiebstähle, Waffendiebstähle: Das sind nur einige der Phänomene, mit denen die Schweiz zu kämpfen hat. Meist begangen durch ausländische Banden, die teils gezielt Minderjährige schicken, weil die Strafen für diese geringer ausfallen.» Dass Asyl und Illegale jede vierte Straftat begehen, stimmt demnach überhaupt nicht. Die SVP hat den Kriminaltourismus einfach mal so dazu gerechnet, auch wenn es inhaltlich komplett falsch ist.

Die SVP blendet nebenbei bemerkt auch gerne aus, dass die Sicherheit in der Schweiz in den Bereichen Betrug und internationale Kriminalität wesentlich von unseren bilateralen Abkommen mit Europa gestärkt wird. 

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Hier wollten wir Initiativen und Vorstösse auflisten, mit denen sich die SVP für mehr günstige Wohnungen ausgesprochen hat. Leider haben wir keine gefunden.

 

Die Schuldzuweisung an die Zuwanderung ist weit übertrieben. Seit 1970 ist die Zahl der Einpersonenhaushalte in der Schweiz stark gestiegen, sie hat sich beinahe vervierfacht. Dadurch werden deutlich mehr Wohnungen benötigt. In den Jahren bis 2005 sind auch die Wohnungsflächen immer mehr gestiegen, sodass pro Person heute mehr Platz genutzt wird. Die ausländische Bevölkerung lebt übrigens in kleineren Wohnungen als Menschen mit Schweizer Pass.

 

Gleichzeitig ist es sehr schwierig, weitere Bauzonen zu schaffen. Auch die bessere Ausnützung der bestehenden Bauzonen erweist sich als schwierig, weil Einsprachen sowie Ortsbild- und Denkmalschutz die Bautätigkeit massiv behindern. Durch die Initiative der SVP wird keine neue Wohnung erstellt, ganz im Gegenteil: Die Fachkräfte auf dem Bau werden in Zukunft fehlen – das Bauen wird teurer und die Mieten steigen. Im Baubereich gibt es einen Renovationsstau, viele Wohnungen sind nicht an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst. Auch hier sorgt die SVP mit ihrer Fossilpolitik dafür, dass viele Bewohner*innen in Zukunft unter Hitzestress leiden müssen.

 

Was wir wirklich brauchen, sind weniger Einsprachen, weniger Orts- und Denkmalschutz und zukunftstaugliches Bauen.

Wohnungsbau SVP-Zeitung

Durch die Verdichtung wurden mehr Wohnungen pro Gebäude geschaffen. Es wurden aber immer weniger Gebäude neu erstellt. Seit 1980 ist diese Zahl massiv rückläufig, bei den Einfamilienhäuser auf ein Fünftel, bei den Wohngebäuden auf 40%. Die Raumplanung funktioniert also wie gedacht und neue Wohnungen werden vor allem durch eine verbesserte Ausnutzung der bestehenden Wohnflächen errichtet. Von der SVP wird hier suggeriert, dass diese Wohnungen alle auf neuen Flächen entstehen, die umgenutzt wurden. Viele Projekte sind aber Ersatzneubauten mit einer besseren Flächenausnutzung. Z.B. entstehen im Kanton Zürich pro abgerissener Altbauwohnung ca. 3 neue Wohnungen, in der Westschweiz sogar bis zu 6.

Die steigende Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolvent*innen lässt sich auf viele Gründe zurückführen. Die Zuwanderung hat damit herzlich wenig zu tun. Es gibt heute deutlich mehr Menschen mit Hochschulabschluss: Allein zwischen 2014 und 2024 stieg die Anzahl von 28,4 % auf 34,6 % der Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es zu wenige Stellen, die auf ebenjene Abschlüsse zugeschnitten sind. Der Arbeitsmarkt orientiert sich heute eher an Menschen mit Berufsausbildung. Hinzu kommt der Einfluss der KI, der sich überproportional auf akademische Berufe auswirkt und dessen Folgen besonders Berufseinsteiger*innen zu spüren bekommen, da einfachere Aufgaben lieber an KI-Tools ausgelagert werden.

 

Trotzdem ist dies kein Grund für Panikmache: Bildung bleibt weiterhin ein sicherer Wert. Selbst in der heiklen Phase im Jahr direkt nach dem Abschluss liegt die Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolvent*innen weiterhin unter dem Schweizer Durchschnitt. 

Gelogen. Die SVP verhindert an vorderster Front bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege, obwohl 2021 die Pflegeinitiative klar angenommen wurde. 

Stimmt nicht. Laut Bundesamt für Statistik wird das Bildungsniveau der schweizerischen Bevölkerung in den kommenden Jahren “markant” ansteigen. Laut Berechnungen sollten bereits 2028 über 50 % der Personen zwischen 25 und 64 Jahren eine Tertiärausbildung (höhere Berufsbildung und Hochschulen) abgeschlossen haben. Bis 2045 soll dieser Anteil sogar auf 62% anwachsen.

Die Zuwanderung der letzten Jahre beweist, dass sich zumeist sehr gut qualifizierte Menschen in der Schweiz niederlassen. Das BFS prognostiziert: “Auch in den kommenden Jahren werden die eingewanderten Personen gemäss Referenzszenario im Vergleich zu den im Schweizer Bildungssystem vergebenen Tertiärabschlüssen einen grossen Beitrag zum Bildungsniveau leisten.”

Das ist eine stark abgekürzte Schlussfolgerung. Dieser Trend kann heute über alle OECD-Länder hinweg beobachtet werden. Dahinter liegt kein einfacher Grund, sondern mehrere. Zum einen führen das digitale Lesen und der Social-Media-Konsum unter Kinder und Jugendlichen zu geringeren Aufnahme- und Lesefähigkeiten. Ein zweiter Grund ist entsprechend die langsame Reformfähigkeit des Bildungssystem, dessen Methoden heute nicht mehr die gewünschte Leistung erbringen. Die Mehrsprachigkeit in Schulklassen ist zwar ebenfalls ein weiterer Grund, er ist jedoch nicht allein entscheidend und kann durch Innovationen im Bildungssystem kompensiert werden. 

Dieser Faktencheck zeigt: Die SVP spielt das immer gleiche Spiel. Echte und erfundene Herausforderungen werden für Aufmerksamkeit instrumentalisiert und die Ausländer*innen als Schuldige serviert. Warum sich wirklich mit Themen auseinandersetzen und Herausforderungen angehen, wenn man einfach den anderen die Schuld geben kann? Die SVP bewirtschaftet Probleme. Sie spielt das Einmaleins des Populismus. Hinzu kommt, dass diese «Nachhaltigkeitsinitiative» auch noch schwerwiegende Konsequenzen hat: Sie riskiert unseren Wohlstand, unsere Freiheiten und unsere humanitäre Tradition. Sag am 14. Juni NEIN zum immer gleichen Spiel.

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