Jahresbericht 2025
Grusswort des Co-Präsidiums
Phu. Wenn wir dachten, 2025 sei weltpolitisch ein turbulentes Jahr gewesen, so hat uns 2026 bereits eines Besseren belehrt. Unser Jahr 2025 stand im Zeichen der Vorbereitung auf das Superabstimmungsjahr 2026. Wir haben unsere Kampagnen für Europa und gegen die Halbierungsinitiative aufgegleist. Und uns – täglich grüsst das Murmeltier – gegen immer neue SVP-Initiativen in Stellung gebracht.
Obwohl wir in den letzten zwei Jahren keine Abstimmungskampagnen gemacht haben, sind wir für das aktuelle Jahr und alle Abstimmungskämpfe gut aufgestellt, wie du (Spoiler 😉) in diesem Jahresbericht sehen wirst. Deshalb haben wir im November in einem grossen Interview mit der Republik verkündet, dass jetzt der richtige Moment für eine Stabsübergabe im Präsidium ist. So können wir dieses Jahr und die kommenden Abstimmungen mit alten und neuen Kräften in Angriff nehmen.
Und die braucht es, denn wir können es uns in der aktuellen Weltlage nicht leisten, den Kopf in den Sand zu stecken. Es sind genau diese Zeiten, in denen wir die liberale Demokratie mit aller Kraft und mit allen Mitteln verteidigen und weiterentwickeln müssen. Konkret heisst das: die vielfältige und freie Medienlandschaft zu erhalten, mit der Individualbesteuerung für echte Gleichstellung einzustehen, die nächste Überfremdungsinitiative der SVP (a.k.a. «Nachhaltigkeitsinitiative») und die «Neutralitätsinitiative» abzuschmettern und der Demokratie-Initiative für ein modernes Bürger*innenrecht zum Durchbruch zu verhelfen. Und das alle noch bevor die Mutter aller Schlachten an die Urne kommt: die Zukunftsverträge mit der EU.
Oft haben wir uns seit 2014 gefragt, ob es Operation Libero überhaupt noch braucht. 2026 müssen wir feststellen: Wahrscheinlich hat es uns noch nie mehr gebraucht. Denn der Liberalismus ist vielerorts im Rückwärtsgang unterwegs – oder falsch abgebogen.
Danke, dass wir auch in diesen und insbesondere in diesen Zeiten auf dich zählen dürfen.
Pinke Grüsse und viel Spass bei der Lektüre
Sanija und Stefan
Im Jahres-ABC lest ihr, was wir 2025 bewegt haben.
Vom Pressure Test über den Frauenstreik zu Vorbereitungen auf das Superabstimmungsjahr bis zu Zöllen auf Hellebarden und vieles mehr.
Ohne Aktivist*innen keine Bewegung. Sie sind das Herz von Operation Libero und das Jahr 2025 stand im Zeichen neuen Schwungs: Damian Laird hat das Team in der Romandie aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Die Teams in der Zentralschweiz, Bern, Zürich und der Ostschweiz haben mit Veranstaltungen zu Themen wie Medienfreiheit, Frauenfussball, Finanztransparenz oder zu laufenden Kampagnen gezeigt, wie aktuell und relevant unser Einsatz ist.
Wir setzen uns mit voller Überzeugung für starke Zukunftsverträge mit der EU ein. Unsere Zukunft liegt nicht in der Abschottung oder im Mittelalter, sondern im Miteinander. Für Wohlstand, Rechtsstaat und europäische Perspektiven.
Die Verträge sind ein gut austarierter Kompromiss. Und die Schweiz braucht diese Zukunftsverträge, um unsere Beziehungen mit der EU an die heutige Zeit anzupassen und langfristig zu stärken. Auf Autokraten wie Trump, Putin oder Xi dürfen wir uns nicht verlassen.
Am 20. November 2025 gab unser Co-Präsidium im Interview mit der Republik ihren Rücktritt zur nächsten Generalversammlung bekannt. Wir danken Sanija und Stefan an dieser Stelle und sind froh, dass sie uns als Vorstandsmitglieder erhalten bleiben.
Lasst uns eine Schweiz bauen, in der Teilhabe nicht Privileg, sondern Prinzip ist! Die im November 2024 von der Operation Libero zusammen mit der Aktion Vierviertel eingereichte Demokratie-Initiative fordert ein modernes Bürger*innenrecht: Jede Person mit dauerhaftem Aufenthalt in der Schweiz soll ein Anrecht auf Einbürgerung haben. Wir bereiten uns auf die Abstimmungskampagne vor. Denn voraussichtlich wird bereits Ende 2026 darüber abgestimmt. Leider lehnt der Bundesrat die Initiative ab. Deshalb müssen wir umso lauter sein.
Lanciert mit dem Ziel, den "Elefanten im Raum" endlich anzupacken, sind die Verhandlungsergebnisse zur Weiterentwicklung der bilateralen Verträge dem Ziel der Europa-Initiative zum Greifen nah gekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Initiative nicht weiterzuführen, sondern uns voll und ganz auf die Unterstützung der Bilateralen III zu konzentrieren. Das Ziel eines Europa-Artikels in der Verfassung wurde vorerst aufgegeben, aber die Europa-Initiative hat sich gelohnt. Tausende Menschen wurden mobilisiert und sensibilisiert. Wir haben den Europadiskurs positiv geprägt. Danke an alle, die mitgewirkt haben. Der anstehende Grunsatzentscheid über unseren Platz in Europa kann mit Zuversicht angegangen werden.
Die Familienzeit-Initiative stärkt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unabhängig von Geschlecht oder Erwerbsmodell. Operation Libero unterstützt dieses Anliegen mit voller Überzeugung, denn echte Gleichstellung beginnt dort, wo Care-Arbeit und Erwerbsarbeit fair verteilt werden. Wie beim Frauenstimmrecht, bei der Mutterschaftsversicherung oder bei der Ehe für alle, wie immer zündet die Schweiz in Sachen Gleichstellung spät. Jetzt Unterschriftenbogen unterzeichnen!
Mit der sogenannten “Grenzschutz-Initiative” nimmt die SVP die Kündigung wichtiger internationaler Abkommen, wie etwa Schengen/Dublin und die EMRK, in Kauf. Noch wichtiger ist, dass diese SVP-Initiative zwingendes Völkerrecht bricht. Darum fordern wir, dass die Bundesversammlung diese Initiative für ungültig erklärt. Bereits über 5000 Menschen haben unsere Petition unterzeichnet.
Wir haben das Jahr 2025 genutzt, um unsere Kampagne gegen den nächsten Angriff auf unabhängige Medien und die demokratische Meinungsbildung vorzubereiten. Ein erfreuliches Crowdfunding erlaubte uns eine starke und sichtbare Kampagne gegen die Halbierungsinitiative unter dem Motto "Den Autokraten keinen Gefallen machen". Wir haben den Autokratie-Leitfaden in über 10'000 Haushalte verschickt, Donald Trump in die Tagesschau geschickt, vor Russlands Desinformation gewarnt, pinke Herzen an verschiedene Medienhäuser geleuchtet, geflyert, Werbung geschalten und und und. Danke an alle, die diese Kampagne ermöglicht haben.
Auch die Kampagne gegen die Individualbesteuerung haben wir ausgeheckt und vorbereitet. Und es hat sich gelohnt: Am 8. März schafften wir diesen bedeutenden Schritt für Gleichstellung und Selbstbestimmung. Endlich werden alle Lebens- und Beziehungsformen steuerlich gleichgestellt und Zweiteinkommen entlastet. Unsere Liebe. Meine Steuern.
Vance trieb mit seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz geschickt einen Keil zwischen die liberalen Demokratien in Europa. Bundesrätin Keller-Suter sah sich zu einem politischen Kniefall vor einem amerikanischen Brandstifter verleitet und legitimierte damit seine menschenverachtende Politik. Wir haben eingeordnet, weshalb die Rede und Reaktion der Bundespräsidentin so gefährlich sind – und worum es wirklich geht.
Mit der Kompass-Initiative wollen milliardenschwere Kreise die Schweiz aus dem bilateralen Weg herausmanövrieren und riskieren damit unsere wirtschaftliche und politische Stabilität. Dieser Forderung wurde 2012 mit der wuchtigen Ablehnung der Initiative “Staatsverträge vors Volk” eine Absage erteilt. Wir werden darum die Kompass-Initiative entschieden bekämpfen. Mehr dazu unter “B wie Bilaterale III” und “S wie Ständemehr”.
Liebe FDP – wir müssen reden. Im Rahmen der Wahl des neuen Co-Präsidiums und der Parolenfassung zu den Bilateralen III haben wir die FDP aufgefordert, sich auf ihre Werte zurückbesinnen und sich klar von der SVP abzugrenzen. Schön, dass wir in diesem Thema auf euch zählen können!
Zum Start der Frauen-EM diskutierten wir in Bern mit Agota Lavoyer, Patricia Widmer und Saskia Bürki über Gleichstellung im Sport. Gleichstellung ist kein Nebenschauplatz, sondern zentral für eine liberale Gesellschaft, die auf Fairness, Sichtbarkeit und echter Teilhabe baut – auf dem Fussballplatz und darüber hinaus.
Die NZZ hat uns im März 2025 zum x-ten Mal totgesagt. Doch in Tat und Wahrheit ist unsere Community grösser und entschlossener denn je. Und wir haben trotz begrenztem Kapital Grosses vor. Das Jahr 2026 wird ein Superabstimmungsjahr, wir werden uns voller Elan für vielfältige Medien, Gleichstellung, mehr Demokratie, gegen Abschottung und gegen die Neutralitätsinitiative und für gute Beziehungen mit Europa einsetzen. Angst und Geld händ mir kei!
Für das Magazin PUBLIC VALUE TEXTE des ORF beschrieben Lisa Marchon und Sanija Ameti die Rolle von öffentlich-rechtlichen Medien als zentrale Infrastruktur einer Willensnation. Im Juni 2025 diskutierte Sanija im Dialogforum des ORF mit Medienmacher*innen und -forscher*innen über die weltweiten Attacken auf die Medien und wie die demokratischen Kräfte darauf reagieren sollen.
Mit unserer Eventreihe Pressure Test stellen wir liberale Werte auf den Prüfstand, und zwar dort, wo sie besonders gefordert sind. 2025 diskutierten wir vor ausverkauften Rängen über den Umgang mit Trumpismus, die Verteidigungsfähigkeit Europas und die Rolle freier Medien in polarisierten Zeiten.
Ob wir von Milliardären finanziert und gesteuert werden oder heimlich die Demokratie in der Schweiz abschaffen wollen – über uns wird viel Quatsch erzählt. Auch rechtspopulistische Kampagnen strotzen oft vor irreführenden Behauptungen und Angstmacherei. Deshalb liefern wir Faktenchecks und setzen auf Aufklärung statt Polemik.
Die Rechtsrutschversicherung ist die einzige Versicherung, die greift, bevor der Schaden eingetreten ist. Der Versicherungsschutz umfasst unseren unermüdlichen Einsatz für eine offene, liberale Schweiz und zur Verhinderung eines weiteren Rechtsrutsches. Jetzt abschliessen!
Für die Forderung nach einem Ständemehr bei den Bilateralen III fehlt die rechtliche Grundlage. Ein Ständemehr wäre verfassungswidrig und undemokratisch: Sollen Stimmen aus kleinen Kantonen mehr zählen als jene aus grossen? Wir sagen Nein – wir brauchen faire Mehrheiten, nicht ein Vetorecht für eine Minderheit. Fünf führende Rechtsprofessor*innen stimmen uns zu. Unterzeichne unseren Aufruf ans Parlament.
Digitale Plattformen wie Google, Meta oder TikTok beeinflussen unsere Meinungsbildung und entziehen sich demokratischer Kontrolle. Mit unserer Petition fordern wir klare Regeln für diese Tech-Imperien. Damit Grundrechte auch im digitalen Raum gelten und die liberale Demokratie sowie unsere Freiheit nicht gefährdet werden. Unser Druck hat gewirkt: Der Bundesrat hat Ende Oktober 2025 die Vernehmlassung für ein neues Gesetz lanciert. Im Februar 2026 haben wir an dieser Vernehmlassung teilgenommen.
Rauer Umgang sind wir uns gewohnt. Doch was die SVP macht, schiesst den Vogel ab. Mit persönlichen Angriffen und pauschalen Verunglimpfungen vergiftet sie die demokratische Debatte. Und es sind keine Einzelfälle. Die grosse Recherche von FLIMMER.MEDIA in Zusammenarbeit mit Campax und Operation Libero belegt mit mehr als 350 Beispielen: Die SVP ist in Teilen rechtsextrem, und dies wird in der Partei systematisch toleriert. Rassismus, Hass, Drohungen: SVP, es reicht!
Der deutsche Verfassungsschutz will die AfD als gesichert rechtsextrem einstufen. Die SVP vertritt in vielen Bereichen ähnlich extreme Positionen und gilt gar als ihr Vorbild. Trotz über 350 Grenzüberschreitungen sehen viele die SVP weiterhin als “bürgerliche Partei” an. Weil wir kein Bundesamt für Verfassungsschutz im Rücken haben, sammeln wir beweisbares Material, um einen Vergleich mit der AfD zu ziehen. Wie schneidet die SVP ab? Will sie auch Elemente der demokratischen und freiheitlichen Grundordnung beseitigen?
Gleichstellung ist kein Nice-to-have, sondern ein demokratisches Muss. Beim Frauenstreik 2025 waren wir laut und sichtbar dabei, weil gleiche Rechte, Individualbesteuerung und Familienzeit endlich Realität werden müssen. We care ist mehr als ein Slogan. Es ist unser politischer Anspruch.
Rechtspopulistische Kräfte schüren gezielt Ängste vor dem Fremden und bedienen sich dabei einer xenophoben Rhetorik. Ein Beispiel ist die als ökologisches Anliegen getarnte “Nachhaltigkeitsinitiative”, die in Wahrheit ein Projekt zur Begrenzung der Zuwanderung ist und sich einer fremdenfeindlichen Rhetorik bedient. Wir stellen uns dieser Politik der Ausgrenzung mit faktenbasierten Argumenten und klarer Haltung entgegen.
Rechtspopulistische Initiativen funktionieren wie ein Jo-Jo: Sie tauchen immer wieder auf, mal als No-Billag-, mal als Halbierungs-, Kündigungs- oder Grenzschutz-Initiative – und verfolgen stets dasselbe Ziel – den Abbau von Grundrechten und internationalen Verpflichtungen. Wir entlarven diesen Wiederholungsmechanismus und werden auch diese Abstimmungen gewinnen.
Mit ihrem Alleingang und dem EWR-Nein erreichte die SVP einzig rekordhohe Zölle von 39 % auf Hellebarden und Trachtenhemden – und riskiert damit, die Schweiz wirtschaftlich ins Mittelalter zurückzuwerfen. Auch der neue, von der SVP bejubelte Zolldeal ist in Wahrheit nichts anderes als ein "Unterwerfungsvertrag". Wir setzen uns ein gegen Trumps Autoritarismus und seine rückwärtsgewandte Zollpolitik und kämpfen für eine moderne, offene Schweiz, die auf gute Beziehungen und Handel mit unseren Nachbarn statt auf Abschottung setzt. Im Blogbeitrag erklärt Delia, weshalb die SVP die modernen Habsburgervasallen sind.
Finanzen & Jahresrechnung
Ein Kopfstand und zurück.
Operation Libero legt mit dem Jahresabschluss 2025 den fünften Leistungsbericht nach Swiss GAAP FER 21 vor. Der Leistungsbericht wird im Jahresbericht veröffentlicht und gibt Auskunft über die Leistungsfähigkeit (Effektivität) und die Wirtschaftlichkeit (Effizienz) unseres Vereins. (Die folgenden Zahlen sind der Lesbarkeit halber gerundet.)
In kurz und knapp
- Mit 752’682 Franken war 2025 das Jahr mit dem besten Ertragsergebnis der letzten fünf Jahre.
- Wir haben 606'334 Franken an Spenden erhalten.
- Davon wurden 333'827 Franken zweckgebunden an Kampagnen gespendet und 272’507 Franken an die Vereinsstruktur.
- Wir haben 114'395 Franken an Mitgliederbeiträgen erhalten.
- 33 Gönner*innen haben 40’060 Franken an Gönner*innenbeiträgen bezahlt.
- Das Jahr schliessen wir mit einem Jahresergebnis von plus 83'414 Franken ab.
Vom Minus ins Plus
- Die Totsagung durch die NZZ hat zu erfreulichen Strukturspenden geführt.
- Im Rahmen der Umstrukturierung der Geschäftsstelle wurden auch notwendige Sparmassnahmen ergriffen.
Mit einem Gruss von der Geschäftsstelle
Ready to roll!
Die Geschäftsstelle bedankt sich von Herzen für das Vertrauen und die Unterstützung in einem Jahr voller Umbrüche. Auf ins Superabstimmungsjahr 2026. Auf dass wir zusammen die Schweiz bewegen.